Vogel des Jahres 2021: Das Rotkehlchen

Foto: LBV Archiv Markus Glässel
Foto: LBV Archiv Markus Glässel

 

Das Rotkehlchen

 

 

 

ERITHACUS RUBECULA

 

 

 

 

Schon zum zweiten Mal ist das Rotkehlchen zum „Vogel des Jahres“ gewählt worden.

 

Als einer unserer häufigsten Singvögel ist das Rotkehlchen als absoluter Sympathieträger prädestiniert für den Titel „Vogel des Jahres“, um Schritte zum dauerhaften Schutz und zur nachhaltigen Verbesserung von seinen Lebensräumen einzuleiten.

 

 

 

Kennzeichen:

Hauptmerkmal des kleinen, rundlichen Rotkehlchens (rund 14 Zentimeter groß und 15 bis 18 Gramm schwer) ist die orangerote Färbung von Stirn-, Zügel- und Augengegend bis zur unteren Brust. Sein Bauch ist weiß gefärbt, die Flanken grau-beige. Oberseite und Schwanz sind dunkel-olivbraun.

 

Stimme:

Trotz seiner bescheidenen Größe ist das Rotkehlchen recht stimmgewaltig. Der Reviergesang aus relativ langen und variablen Strophen wird wegen seiner Klangstruktur als „perlend“ und wegen seiner emotionalen Wirkung auf uns Menschen oft als „wehmütig“ bezeichnet. Typischer Warnruf ist ein kräftiges, schnell wiederholtes „Tixen“, bei Luftfeinden dagegen ein gedehntes „sieh“.

 

Nahrung:

Zur Brutzeit vertilgt das Rotkehlchen überwiegend Insekten und deren Laren, insbesondere Käfer, Zweiflügler, Netzflügler, Ohrwürmer, Schmetterlingsraupen, Ameisen und Blattläuse. Im Sommer und Herbst erweitert es sein Nahrungsspektrum mit Beeren und Früchten von Schneeball, Pfaffenhütchen, Hartriegel, Faulbaum, Efeu und anderen Sträuchern.

 

Foto 1: Jochen Fünfstück; Foto 2: Heinz Tuschl; Foto 3: Markus Glässel

 

Lebensraum:

Das Rotkehlchen brütet in Wäldern, Gebüschen, Hecken, Parks, Gärten und Friedhöfen. Es bevorzugt unterholzreiche Wälder, besonders in der Nähe von Gewässern oder an feuchten Standorten.

 

Fortpflanzung:

Die Balz und Paarbildung beginnt schon im Dezember - bei denjenigen Vögeln, die in südlicheren Gefilden überwintert haben, jedoch erst nach ihrer Rückkehr an die Brutplätze. Der Neststand ist außerordentlich variabel, wobei Bodennester zwischen Wurzeln, unter Baumstämmen, in Erdlöchern oder im Gras favorisiert werden. Auch niedrig hängende Halbhöhlen-Nistkästen werden öfters angenommen. Die Brutzeit beginnt Anfang April und endet im Juli. Das Gelege umfasst drei bis sieben gelbliche Eier mit zahlreichen rotbraunen Punkten und Linien. Nach 12 bis 15 Tagen schlüpfen die Jungvögel. Sie verlassen das Nest nach 13 bis 15 Tagen. Zwei Bruten pro Jahr sind keine Seltenheit.

 

Bestand:

Der Bestand in Deutschland wird auf etwa 2,5 bis 4 Millionen Brutpaare, die Siedlungsdichte auf 0,7 Brutpaare pro zehn Hektar geschätzt. Damit gehört das Rotkehlchen zu unseren häufigsten Brutvögeln.
Gefährdung:
Derzeit gilt der Rotkehlchenbestand als weitgehend stabil. Überregional feststellbare, langfristige Abnahmen entstehen in Mitteleuropa vor allem infolge von Ausräumung der offenen Landschaft durch die Intensivierung der Landwirtschaft, Flurbereinigung und zunehmende Verbauung. In Südeuropa fallen jährlich noch immer Tausende von Rotkehlchen der Jagd zum Opfer.

 

Vorschläge zum Schutz:

Trotz der hohen und weitgehend stabilen Bestandszahlen, kann das Rotkehlchen von folgenden Schutzmaßnahmen profitieren: Wiederherstellung eines reich strukturierten, gehölz- und heckenreichen Kulturlandes und Belassung von Falllaub und Unterholz in Wirtschaftswäldern. Zudem könnte die Ansiedlung in Gartenstädten und Parks durch naturnähere Gestaltung und Nisthilfen verstärkt werden.

 

Wer dem Rotkehlchen helfen will, kann dies auf vielfache Weise tun; im eigenen Garten oder Kleingarten sollten möglichst nur heimische Bäume, Sträucher und Stauden gepflanzt werden, damit die Rotkehlchen und andere Piepmätze ausreichend Nahrung und Deckung finden. Besonders gut geeignet sind ein paar ‚wilde Ecken‘, zum Beispiel aus Reisighaufen, locker aufgeschichtet, und gern auch von Stauden oder Wildkräutern umstanden. Denn dann folgen auch Insekten – das Büffet für die Rotkehlchen ist so reichlich gedeckt.

 

Wer dem Rotkehlchen einen Nistkasten anbieten möchte, sollte auf eine so genannte Halbhöhle zurückgreifen, diese kann man auch sehr einfach selber anfertigen.

 

Foto 1: Heinz Tuschl; Foto 2: Ingo Zahlheimer; Foto 3: Julia Wittmann

Vogel des Jahres 2020: Die Turteltaube

 

Die Turteltaube ist eine Vogelart aus der Familie der Tauben. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über weite Teile der westlichen und zentralen Paläarktis und reicht vom nördlichen Afrika über die iberische Halbinsel und Großbritannien nach Osten. Auch im Nahen- und Mittleren Osten bis in die Mongolei ist die Turteltaube anzutreffen. Doch in den letzten 25 Jahren ist der Bestand um 62 Prozent zurückgegangen und vielerorts ist die Taube nicht mehr anzutreffen. Ihr Bestandsrückgang ist auf die veränderte Landwirtschaft und auf den Rückgang der Erdraucharten zurückzuführen. Die Erdraucharten spielen bei der Ernährung eine große Rolle und auch diese Arten gehen massiv zurück. Auch der Abschuss der Tauben, insbesondere im Mittelmeerraum während der Zugzeiten, tragen zum Verschwinden der wunderschönen Art bei.

 

Turteltauben gelten aus Glücks- und Liebessymbol. Deshalb nennt man zwei frisch verliebte Menschen auch Turteltauben.

Noch mehr Informationen erhalten Sie auf unserer LBV-Hauptseite:

 

 

 

Verbreitung und Bestandssituation

 

Das Areal der Art erstreckt sich von Nordafrika, West- und Mitteleuropa in der Waldsteppenzone bis zum Baikalsee. -- In Bayern brütet Streptopelia t. turtur (Linnaeus 1758).

Die Turteltaube ist in Bayern regional verbreitet. Das Brutareal hat sich im Vergleich zum Kartierungszeitraum 1996-99 verkleinert. Schwerpunkte liegen in den Mainfränkischen Platten, im Fränkischen Keuper-Lias-Land), im Obermainisch-Oberpfälzer Hügelland, in Teilen der Frankenalb sowie entlang der Donauniederung und im nördlichen Teil des Niederbayerischen Hügellandes. In Nordostbayern liegen größere Vorkommen im Einzugsgebiet der Naab und ihrer Nebenflüsse und - vom allgemeinen Klimabild abweichend - im wesentlich kühleren Oberpfälzer Wald (hier Zusammenhang mit Vorkommen im angrenzenden Tschechien). Weitgehend unbesiedelt sind die Alpen mit dem Voralpinen Hügel- und Moorland und den südlichen Schotterplatten, der Bayerische Wald, Fichtelgebirge und Frankenwald und des Spessarts.

 

Die aktuelle Bestandsschätzung liegt weit unter den Angaben aus dem Zeitraum 1996-99. Auch wenn aufgrund methodischer Probleme eine Veränderung nicht quantifiziert werden kann, deutet alles auf einen starken negativen Bestandstrend auch in Bayern hin.

Brutbestand BY: 2300-3700 Paare.

Quelle: lfu Bayern

 

Foto: LBV Archiv Zdenek Tunka

Vogel des Jahres 2019: Die Feldlerche

Zum zweiten Mal ist die Feldlerche zum Vogel des Jahres ausgerufen worden. Schon 1998 hatte die Feldlerche die Ehre als Vogel des Jahres gekürt zu werden. Inzwischen sind 20 Jahre vergangen und mehr als jede vierte Feldlerche ist aus dem Brutbestand in Deutschland verschwunden.

Foto: Markus Glaessel
Foto: Markus Glaessel

Mit ihrem Gesang von der Morgendämmerung bis zum Abend läutet die Feldlerche alljährlich den Frühling ein. Doch über den Feldern ist es stumm geworden, deshalb steht der Jahresvogel stellvertretend für alle Feldvögel wie z. B.: Kiebitz und Rebhuhn anklagend für die katastrophale Landwirtschaftspolitik in Berlin und Brüssel. Die ehemals häufige Feldlerche steht inzwischen auf der Vorwarnliste der Roten Liste Deutschlands, in Bayern gilt sie sogar schon als gefährdet („Rote Liste“ 3). Weitere Gefährdungsursachen sind Versiegelung der Landschaft, gesteigerter Einsatz von Umweltchemikalien, wie auch die direkte Bejagung in den südlichen Ländern. Auch die Insektennahrung ist zurückgegangen, nach neuesten Daten um mehr als 75 Prozent seit 1989.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Landesgeschäftsstelle des LBV.

 

Rote Liste Bayern: gefährdet
Rote Liste Deutschland: gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: in Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin: in Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/schlecht

Fotos: Zdenek Tunka